Mona Schulzek

Leviathan


Leviathan


Erstmalig in der Geschichte ist kognitives Denken nicht mehr alleinige Fähigkeit des Menschen. Navigationssysteme, autonomes Fahren, Selftracking oder Partnervermittlung – die meisten Bereiche unserer Lebenswelt werden durch Algorithmen ersetzt. Ihr Zauber beruht auf der wundersamen Vereinfachung, auf der Reduktion von Komplexität. Sie sind programmiert um fehlerfrei zu arbeiten und sich nicht, wie wir Menschen, von Emotionen leiten zu lassen. Bereits der Philosoph Jean Baudrillard sprach von der Gefahr, dass wir unsere Natürlichkeit durch wissenschaftliche und technische Anwendungen auf Distanz halten. Für ihn ist das der Zustand, in dem wir uns der Welt entledigen und aus ihr verschwinden.

In meiner Abschlussarbeit stelle ich eine Analogie zwischen Algorithmen und dem Phänomen Vakuum her. Ein Vakuum ist ein nahezu luftleerer Raum, in dem besondere physikalische Gesetze herrschen und kein Leben möglich ist. Es gibt keine Lebewesen, die dort ihren Ursprung haben oder sich gar evolutionär weiterentwickeln können.



Ähnliches erleben wir mit Algorithmen: Durch ihre programmierten kognitiven Fähigkeiten und ohne ablenkende, menschliche Gefühle, arbeiten sie nahezu perfekt. Es scheint, als würden wir dadurch unsere natürliche Evolution zum Stillstand bringen. Denn eine Welt voller Algorithmen ist eine Welt, in der nur noch tote vakuumisierte Materie existiert.

Aus der Analogie zwischen Algorithmus und Vakuum formte ich die Idee einen Raum zu bauen und darin ein Vakuum zu erzeugen. Mein wahnwitziger Versuch scheiterte und bringt dadurch meine Imperfektion zum Ausdruck.

Meine Arbeit ist als Ergebnissammlung zu verstehen, die den Prozess und das Resultat meines Experimentes festhält und das Scheitern installativ reflektiert. Sie dokumentiert den Bau meines Vakuumraumes mittels Zeitraffer, das visuelle Ergebnis in Form von Fotografien und die Experimente, mit denen ich das Vakuum prüfe, als Bewegtbild.