Marina Scheinberg
»Orthostruct«
Notfallorthese zur Stabilisierung und Immobilisierung des Handgelenks

Köln International School of Design (KISD)

Marina Scheinberg Orthostruct Orthostruct

Das entwickelte orthopädische Hilfsmittel ist als eine Notfallorthese konzipiert und aufgrund der einfachen und kostengünstigen Herstellung zum primären Einsatz für die massenhafte Patientenversorgung in Entwicklungsländern und Krisengebieten bestimmt. Als eine preiswerte funktionale Lösung für medizinische Versorgungs-probleme bietet „Orthostruct“ mit einem unter 5 Euro liegenden Stückpreis eine therapeutische Wirkung, die mit Preisoberklasseorthesen vergleichbar ist. Die Funktionsfähigkeit der Handschiene wurde bereits von Fachleuten bestätigt und durch Testversuche mit Probanden belegt. Zur Bewahrung des karitativen Anwendungszwecks der Notfallorthese wurde sie zum Geschmacks- und Gebrauchsmuster angemeldet, damit eine kommerzielle Nutzung durch Dritthersteller und die Entfremdung der wohltätigen Nutzungsintention effektiv verhindert werden können. Es wird beabsichtigt, dieses orthopädische Hilfsmittel primär in Kooperation mit der Johanniter-Auslandshilfe weiterzuentwickeln, um einen baldigen Einsatz in Entwicklungsländern sowie Krisengebieten zu ermöglichen und den Betroffenen ein kostengünstiges sowie effektives Mittel zur orthopädischen Grundversorgung zur Verfügung zu stellen.

Die Höhe des Bedarfs wird insbesondere bei Katastrophen mit einer Vielzahl von Verletzten, wie z.B. beim Erdbeben im Jahre 2010 auf Haiti, mit einer erschreckenden Deutlichkeit ersichtlich. Der Einsatz von orthopädischen Hilfsmitteln wird in den benannten Regionen stark vernachlässigt, sodass die Unter- bis Nichtversorgung von Verletzungen häufig zu groben Fehlstellungen und Dysfunktionen von Körperteilen führen. Selbstversorgungsmaßnahmen sind dort sehr stark verbreitet. Mit primitiven Alltagsgegenständen versuchen die Betroffenen, Körperteile nach Frakturen wieder auszurichten und bringen die Gliedmaßen durch Stöcke oder Pappe oftmals in eine noch schlechtere Positionierung. Aus hygienischer Sicht ist zudem festzustellen, dass gerade dadurch Infektionen begünstigt werden. Bei Verwundungen entstehen oftmals lebensbedrohliche Verunreinigungen der betroffenen Partie, sodass Amputationen häufig die letzte Möglichkeit sind, das Leben der Patienten zu erhalten.

Vom Konstruktionsprinzip her stellt die Notfallorthese „Orthostruct“ in ihrem Ausgangszustand eine ebene, einheitliche und achtförmige Schiene dar, die aus zwei symmetrischen Polsterungsflächen sowie einem metallischen Stabilisierungs-kern besteht und über drei Befestigungsgurte fixierbar ist. Die Verformung der Orthese in eine behandlungsadäquate Zweckform erfolgt durch eine manuelle Anpassung und erfordert keinen zusätzlichen Werkzeugeinsatz. Die gewählte Verbundwerkstoffkombination ist widerstandsfähig, leicht, atmungsaktiv, wasser-resistent und zudem durchlässig für Röntgenstrahlung. Aufgrund ihrer vorteilhaften Ausführungsform kann die Orthese für die Behandlung sowohl der rechten als auch der linken Hand eingesetzt werden.