Markus Wulf
»Ein Märchen von einer unmöglichen
Stelle im Universum«

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Markus Wulf Markus Wulf

"Du bist die Prinzessin, natürlich darfst du alles!", wimmelt der König seine Tochter ab – und beauftragt seinen Diener: "Sie beaufsichtigen das bitte!" Die Zweischneidigkeit dieser Aussage kennt unsere Generation nur zu gut. Die trügerische Freiheit, alles zu dürfen, ist die Kehrseite der Tatsache, dass vom eigenen Handeln keine Konsequenz mehr befürchtet wird. Bedeutungslosigkeit als Bedingung für eine Freiheit unter Aufsicht: In so einer Welt braucht es anarchische Prinzessinenfilme.

Mit Humor und Leidenschaft für das Schöne formulieren wir die Idee einer revolutionären Sehnsucht als universelles Märchen unserer Zeit. Im kindlichen liegt das Privileg des Spiels und der unreflektierten Sehnsucht. Die Bilderbuchästhetik des Films ist unter anderem inspiriert durch die Illustrationen von Maurice Sendak und Edward Gorey. Dabei gibt uns der Rückgriff auf die einerseits barocke, andererseits auch etwas unbeholfene Kulisse des Papiertheathers die Möglichkeit, dieser Utopie im fotografischen Medium Film eine eigene Sprache zu geben. Im Zustand der Sehnsucht hat die Revolution noch keinen getötet: Das ist eine romantische Haltung, die für politisches Handeln zunächst zu skeptisch wäre. Aber solch romantisches Gedankengut, geschützt durch das kindliche Recht auf Unreflektiertheit, gewinnt angesichts des Klimas der Alternativlosigkeit nach dem Scheitern der großen Ideologien enorm an Bedeutung. Denn erst kommt die Sehnsucht und dann die Veränderung. Alles andere ist Stillstand. "Es war einmal ein Mädchen, das hieß Helene. Und weil der Vater König war und die Mutter Königin, musste sie Prinzessin sein."

So beginnt die neunjährige Helene in Ihrem Papiertheater die eigene Geschichte zu erzählen. Immerhin darf eine Prinzessin alles. Wirklich alles. Eine Freiheit, die sich jedoch schnell als Gefängnis herausstellt, denn die Architektur des Königreichs ist so allumfassend und mächtig, dass es keiner Verbote mehr bedarf. Die Unmöglichkeit Spuren zu hinterlassen oder gar etwas zu verändern, lässt Helene zunehmend passiver werden. Als der Hofarzt dann auch noch ihre "Melancholie" mit Medikamenten behandeln möchte, nimmt Helene dies zum Anlass, die Krone in den Schlossteich zu werfen und auszubrechen. Es folgt ein Tag wie keiner zuvor. Helene lernt Radfahren, verletzt sich und findet in dem 8 1/2 Jahre alten Paul einen Freund. Er versorgt ihre Wunden und zeigt ihr seinen Lieblingsplatz Hoch oben auf den Dächern. Hier über der Stadt verliert alles seine bisherige Bedeutung: Häuser, Züge, Prinzessinen, Königreiche – alles nur ausgedacht! Doch Abends steht der König mit Helenes Krone vor der Tür und möchte sie abholen. Helene und Paul blicken sich an. Ihr eigener Platz im Universum könnte tatsächlich unmöglich sein. Oder eben auch nicht! Sie verschwinden ein zweites Mal. Diesmal vielleicht für immer.

Trailer unter:

vimeo.com/93142113