Inge Paeßens
»Unschärfe«
ein Phänomen als Mittel zur Gestaltung

Köln International School of Design(KISD)

Inge Paeßens Inge Paeßens Inge Paeßens

Um der Wahrheit eines Begriffes näher zu kommen, muss dieser in seine einzelnen Bestandteile, Schichten zerlegt werden. Je mehr Wissen zusammengetragen wird, desto näher rückt die Wahrheit (vgl. Heisenbergs Schichtenmodell). Beginnend mit den allgemeinen Daten, über die Sammlung von Informationen, zu den weichen Faktoren, bis hin zu einer (fast) metaphysischen Ebene können die Schichten zu einem vollständigeren (niemals vollständigen) Bild addiert werden.

Diese Idee des Schichtenmodells wurde nun auf die Unschärfe angewandt. Von verschiedenen Seiten nähert sich diese Arbeit dem Phänomen in sieben, in sich geschlossenen Artikeln. Jeder Text beschreibt eine Situation oder ein Objekt in Bezug auf seine ganz eigene Unschärfe, so dass sie in ihre einzelnen Schichten zerlegt wird, um ein größeres (tieferes, breiteres) Bild zu erhalten.

Die Unschärfe hat viele Facetten, diese sind in sieben Artikeln nicht annähernd zu beschreiben. Dennoch zeigen die Artikel bereits verschiedene, sehr unterschiedliche Ausprägungen auf, die in einem Gestaltungsprozess aufgegriffen werden können. Die Essenz des Artikels Razzle Dazzle (eine Täuschungstaktik aus dem Ersten Weltkrieg) zum Beispiel liegt in der Verzerrung, die mittels grafischer Elemente das Erscheinungsbild eines Schiffes verändert hat. An anderer Stelle liegt die Unschärfe in der Illusion, die ein Material hervorrufen kann, etwas das leicht und fließend wirkt, ist doch starr und schwer. Im Shared Space, einem Verkehrskonzept, in dem Vorschriften und Gesetze aufgehoben werden, liegt die Unschärfe in der Elimination der Regeln und dem gleichberechtigten Teilen des öffentlichen Raumes aller Nutzer.

Täuschen, verhüllen, hervorheben, verzerren, ausschalten, einschalten, teilen - diese Facetten der Unschärfe wurden im theoretischen Teil der Arbeit herausgefiltert. Sie stellen die Parameter dar, mit denen in der praktischen Bearbeitung sieben Produkte der Unschärfe ausgesetzt wurden. So wurde der Ulmer Hocker in seiner Form verzerrt, es bleibt jedoch auch weiterhin ein Möbel zum Studieren.

Bei allen Objekten handelt es sich um Alltagsgegenstände, die selber nicht notwendigerweise unscharf werden. Es ist ein Experiment, in dem die Elemente ihre Funktionen und Nutzungen beibehalten, wenn nicht sogar verstärken oder ergänzen, sie vergegenständlichen den Versuch, das Alltägliche zu erleichtern und etwas fröhlicher zu gestalten, bzw. das Design hinter dem Design aufzuzeigen.

Es ging in der Erarbeitung der Objekte nicht darum, etwas Neues zu entwickeln, sondern etwas Eigenes. So behält der Silberdeckel der Perlflasche von Günter Kupetz seine Form, nur durch die Änderung des Materials von Aluminium zu Silber wird aus der Mehrwegflasche eine Wasserkaraffe.