Carla Zimmermann
»Licht formt Raum«
Experimente mit Lichtgestalten und deren Wirkung im Raum

Köln International School of Design(KISD)

Carla Zimmermann Carla Zimmermann Carla Zimmermann

Licht - ob natürlich oder künstlich - steht in einer ständigen Wechselbeziehung zum Raum, unabhängig davon, ob dieser mathematischgeometrisch oder phänomenologisch betrachtet wird. Weil der Mensch sich ununterbrochen in einer Verbindung von Licht und Raum bewegt, rückt diese Zweierbeziehung erst dann in den Fokus seiner Aufmerksamkeit, wenn sie außergewöhnliche Reaktionen auslöst.

Diese Arbeit beschäftigte sich mit dem Menschen als dritter Komponente, der Teil dieser Beziehung wird, seiner Interaktion mit dem ihn umgebenden Licht und Raum. Provoziert durch die Wirkung des Lichts können dabei unterschiedliche Phänomene beim Betrachter hervorgerufen werden. Dank komplementärer Lichtfarben lassen sich beispielsweise Nachbilder erzeugen, ständiger Wechsel von Farben erzeugt Nebel im Raum, den das Auge des Betrachters wahrnimmt. Sogar die Dreidimensionalität lässt sich aufheben, Höhen, Tiefen und Abstände manipulieren und Bewegung suggerieren. Diese Wahrnehmungsphänomene führen zu körperlichen Reaktionen, die beim Menschen ein umfassendes Gefühl der Orientierungslosigkeit und somit Irritationen auslösen können. Der Mensch wird sich also in diesem Moment ganz besonders seiner Sinne bewusst. Denn eine Irritation der eigentlich unbewusst ablaufenden Sinneserfahrungen und Übersetzungen an den Körper bewirkt Reflexion. Das Ergebnis der durch Licht hervorgerufenen Gefühlsregungen kann ein außergewöhnlicher Moment der Ruhe und Selbsterfahrung sein, der besonders "meditativ" in der Natur erlebt wird – sei es durch physikalische Phänomene wie eine Sonnenfinsternis, einen Regenbogen oder ein White-out. Diese Gefühlsmomente können auch durch geplante, künstliche Lichtgestaltung erzielt werden - das macht das Medium Licht so interessant und zu einem besonderen Werkzeug für Designer: denn er ist in der Lage, den Betrachter zu fesseln und ihm ein neues Raum- und Gefühlsmoment zu geben. So können Lichträume zu einem ‚neuen' Ort mit Spielraum für Interaktion und Projektion werden.

Doch wie lässt sich solch eine Lichtstimmung erzeugen? Wie kann man Licht manipulieren und damit einen Raum ‚neu' formen? Diesen Fragen ging die Arbeit mit Hilfe von praktischen Experimenten nach, in denen Lichtformen erzeugt und mit verschiedenen Materialien verändert wurden. Diese Lichtgestalten wurden systematisch analysiert und Bezüge zum phänomenologischen Raumbegriff hergestellt. Bei der Durchführung der Experimente ging es vor allem darum, die Rolle und Funktion des Experiments im Designprozess zu untersuchen und auf seine Nutzbarkeit hin zu überprüfen. Daher wurden Aspekte naturwissenschaftlicher Experimente verarbeitet. Das Experiment sollte im Gestaltungsprozess seine wissenschaftliche Dimension erweisen, um es für die Erkenntnisgewinnung nutzen zu können. In der Praxis dienen die Experimente dazu, gezielt Lichtgestalten zu produzieren, die den erlebten Raum auf besondere Art und Weise formen. Dabei wird das Verhältnis von Licht und Raum immer wieder im Kontext der Natur betrachtet. Die Arbeit entwickelte den Anspruch, natürlichen Lichtphänomenen in einem künstlich angelegten Versuch näher zu kommen, indem sie Parallelen zwischen dem Experiment und Naturphänomenen untersucht.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein Katalog an Lichtexperimenten als Nachschlagewerk für Designer, die mit einfachen Mitteln bestimmte Lichtwirkungen im Raum erzeugen wollen. Die darin entworfenen Versuchsaufbauten und –protokolle sind ebenso übertragbar auf Materialexperimente anderer Art. Sie dienen der angeleiteten Durchführung eines Experiments während des Ideen- und Formfindungsprozesses. Die Definition der Rolle des Experimentes im Designprozess, die innerhalb der Arbeit entwickelt wurde, soll dazu dienen und auffordern, dass Experimente nicht nur spielerisch Anwendung finden, sondern gezielt als Werkzeug zur Erkenntnisgewinnung eingesetzt werden.